Karnak-Tempel

Der Karnak-Tempel ist die größte Tempelanlage Ägyptens. Zwei Achsen dominieren den Tempel. Eine Achse führt vom Luxor Tempel in Süd-Nord-Richtung zum Karnak-Tempel, die andere Achse beginnt am Nilufer und endet am Tempel von Ramses II. Beide Achsen stehen senkrecht aufeinander. Am Karnak-Tempel wurde mehr als 1.700 Jahre lang gebaut. Obwohl viele Inschriften und Reliefs verblasst oder zerstört sind, beeindruckt die Anlage durch ihre Größe.

Großer Innenhof

Der heutige Zugang zum Karnak-Tempel führt durch die jüngste Erweiterung der Anlage. Der erste Hof wurde am Beginn der Ost-West-Achse, die zum Amun-Heiligtum führt, zwischen dem 14. und 6. Jahrhundert vor Christus errichtet. Haremhab (1333-1306) ließ den zweiten Pylon errichten, welcher dann den Eingang zum Tempel bildete. Vor dem Pylon standen zwei Kolossalstatuen, nur eine davon ist erhalten. Sie zeigt den Pharao mit Doppelkrone für Ober- und Unterägypten.

Um 1200 vor Christus ließ Seti II. drei Lagerkapellen für die Heiligen Barken der Göttertriade Amun, Mout und Khonsu errichten. Während der jährlichen stattfindenden Prozessionen und dem Opet Fest wurden die Barken in den Stationskapellen aufbewahrt.

Ramses III. ließ an der Südmole des zweiten Pylons seinen Tempel bauen. Unter der Bubastid Herrschaft um das erste Jahrtausend vor Christus wurde der Platz vor dem Tempel in einen geschlossenen Hof umgestaltet. Eine Kolonnade zum Gedenken an die pharaonische Herrschaft wurde zwischen den umschließenden Nord- und Südmauern wurde dem Hof hinzugefügt. Der Dromos, der von Sphingen gesäumte Zugangsweg, wurde von der Landestelle bis zum zweiten Pylon, vorbei an den Stationskapellen der Barken, verlängert.

Taharka (690-664) ließ den monumentalen Säulengang an der Achse des Hofes errichten und platzierte einige Sphingen an der Vorderseite der Bubastid Kolonnade. Während der 30. Dynastie unter Nektanebos I. wurde der Bau des ersten Pylons begonnen, welcher die Westseite des großen Innenhofs abschließt. Der Pylon blieb unvollendet, wie die Reste der Konstruktionsrampen aus Nilschlammziegeln zeigen.

Bei Aufräumarbeiten am Nordflügel des zweiten Pylons wurden die Bruchstücke einer Statue aus Rosengranit entdeckt. Die Statue wurde wieder zusammengesetzt und zeigt Ramses II. mit seiner Tochtergemahlin Meritamun.

Hypostyl (große Säulenhalle)

Der Bau des Hypostyls zwischen dem zweiten und dritten Pylon wurde von Haremhab begonnen, und von Sethos I. und Ramses II. beendet. Die Halle ist 103 Meter lang und 53 Meter breit. Seine 134 Säulen imitieren die Papyruspflanze. Das Hauptschiff ist von zwei Säulenreihen mit offenen Knospen umgeben, die von beiden Seiten von Fenstern beleuchtet wurden. Die anderen 122 Säulen haben geschlossene Knopsen und sind etwas kleiner. Sie stützen die Seitenschiffe. Licht fiel durch die Dachfenster in den Innenraum.

Das Hypostyl wurde von Sethos I. als eigenständiger Tempel konzipiert. Inschriften an den Architraven (Horizonalbalken) beschreiben die Säulenhalle als "Tempel der Millionen Jahre". Hier wurde der köngliche Kult sowie der des Amun zelebriert. Die farbigen Dekorationen im Inneren stellen dar, wie die Zeremonien, z.B. das Fest der heiligen Barke oder tägliche religiöse Rituale, durchgeführt wurden. Die Dekorationen an den Außenwänden stellen militärische Erfolge dar, an der Nordseite die von Sethos I., an der Südseite die von Ramses II.

Am 3. Oktober 1899 stürzten mehrere Säulen des nördlichen Teils der Halle ein. Die Wiederherstellungsarbeiten begannen sofort unter der Leitung von Georges Legrain und Mohamed Afandy.

Vierter Pylon und Kreuzungshof

Unter Thutmosis I. wurde der Bau des vierten Pylons begonnen. Er markierte den Eingang zum Amun-Heiligtum, damals Ipet-Sut genannt. Im Hof vor dem Pylon kreuzen sich die beiden Achsen des Tempels, die Hauptachse von Ost-West und die Nebenachse von Nord-Süd. Schon vor der Umgestaltung durch Amenhotep III. wurde der Hof mehrfach verändert. Thutmosis II. hatte seinen Festhof errichten lassen, wo er Geschenke aus allen Teilen Ägyptens empfing. Thutmosis IV. fügte dem Hof eine vergoldete Veranda hinzu und umgabe den Hof mit einer doppelten Säulenreihe.

Drei Obeliskenpaare, eins von Thutmosis I., eins von Thutmosis II. und Hatschepsut und eins von Thutmosis III., wurden entlang der Tempelachsen aufgestellt. Verschiedene Barkenkapellen, gebaut von Amenhotep I., Thutmosis III.,  Thutmosis IV. oder Amenhotep II., standen ebenfalls auf dem Hof. Die Stationskapelle von Amenhotep II. befindet sich merkwürdigerweise zwischen zwei Obelisken.

Wadjyt

Der schmale Bereich zwischen dem vierten und fünften Pylon wird Wadjyt genannt. Wadj bezeichnet das Papyrus und die Papyrussäulen hielten das Dach. Das Gebiet wurde mehrfach umgebaut, Spuren der verschiedenen Modifikationen sind sichtbar, zum Beispiel sind Reste von alten Säulen verbaut.

Unter Hatschepsut wurde wahrscheinlich der Bau des Wadjyt abgeschlossen. Osiris Statuen wurden in den Nischen des vierten Pylons aufgestellt, die ihren Vater in Festtagskleidung darstellen. Zu dieser Zeit wurde die Halle wahrscheinlich als Krönungssaal benutzt. Später wurden zwei 28 Meter hohe Obelisken hinzugefügt, wovon nur nur einer aufrecht steht. Teile des anderen Obelisken sind am heiligen See zu sehen.

Thutmosis III. ließ den Hof erneut umbauen. Die östliche Fassade des vierten Pylons wurde umgestaltet. Säulen wurden zwischen die Osiris Statuen gesetzt und das Wadjyt in ein Hypostyl umgewandelt.

Heilige See

Der heilige See ist ein rechteckiges Becken, ungefähr 200 Meter lang und 117 Meter breit. Der See ist bereits während der Herrschaft von Hatschepsut und Thutmosis III. dokumentiert. Seine heutige Gestalt erhielt er während der 25. Dynastie.

Das Becken wird vom Grundwasser gefüllt und war für die alten Ägypter der direkte Kontakt zur Gottheit Noun. Es symbolisiert den Urozean, wo alles Leben beginnt. Zugang zum See wurde durch den siebenten Pylon ermöglicht. Die Priester wuschen sich hier täglich. Während der religiösen Zeremonien fuhren die heilige Barken auf dem See.

An den Ufern des Sees standen verschiedene Gebäude. Im Norden war ein Monument Taharqa gewidmet. Ein Mistkäfer repräsentierte die aufgehende Sonne. Wahrscheinlich wurde während der Herrschaft von Amenhotep III. der Skarabäus aus rotem Granit vom Hypostyl zum Westufer transportiert. Die Südseite des Sees war die Wirtschaftszone. Hier wurden die Geschenke und Gaben gelagert und vorbereitet. Einige der Gebäude sind noch erhalten. In einigen Texten wurde ein Brutgebiet für Geflügel zum rituellen Opfern erwähnt. Die Ostseite des Sees war die Verwaltungs- und Wohngebiet. In dem Wohnungen lebten die Priester, welche die monatlichen Rituale im Tempel durchführten.

Kapelle der Barken

Während der Prozession wurde die heilige Barke des Amun in der Stationskapelle gelagert. Östlich zwischen dem fünften und sechsten Pylon befanden sich mehrere Kapellen. Zwei Säulen aus rotem Granit standen in vor dem Heiligtum. In die Säulen sind der Name von Thutmosis III. sowie die Symbole von Ober- (Lilie) und Unterägypten (Papyrus) eingraviert.  Die Kapellen wurden mehrfach ersetzt.

Öffnungszeiten Karnak-Tempel

Mo-So
08:00-18:00 Uhr