Selinunte

Wenige Kilometer westlich von Menfi an der Südwestküste Siziliens befindet sich der ca. 377 Hektar große archäologische Park von Selinunte. Kennzeichnend sind die vielen dorischen Tempel sowie die Überreste der antiken griechischen Stadt. Der Eintritt kostet 17€ p.P.

Öffnungszeiten
täglich 9:00 bis 18:00 Uhr

Geschichte

Selinunte wurde im im Jahrhundert v. Chr. von Griechen aus Megara Hyblaea (Ostküste zwischen Augustas und Syrakus) gegründet. Der Boden war sehr fruchtbar und lieferte gute Weizen- und Weinernten. Der Name geht auf das Wort Selinus für wilden Sellerie zurück, der hier wuchs. Lange Zeit war Selinunte Verbündeter Karthagos. Der Dauerstreit mit der Stadt Segesta an der Nordküste Siziliens eskalierte und führten schließlich zu einem Eingreifen der Großmächte Athen und Sparta, wobei letzteres Syrakus und Selinunte gegen Athen unterstützte. Nach dem Scheitern der Sizilienexpedition Athens im Jahr 413 v. Chr. wurde Segestas zerstört. Im Jahr 409 v. Chr. belagerten und eroberten die Punier Selinunte und zerstörte es.

278 v. Chr. wurde die Stadt durch Pyrrhus eingenommen, 260 v. Chr. von Hanno besetzt, der gegen Agrigentum vorrücken wollte, welches von den Römern belagert wurde. Im Jahr 256 v. Chr. wurde erneut in Heraclea die karthagische Flotte mit 350 Schiffen stationiert, um die Durchfahrt der römischen Flotte nach Afrika zu verhindern, wo sie eine schwere Niederlage durch die römischen Konsuln Regulus und Manlius erlitt. Zu dieser Zeit scheint es einer der wichtigsten Marinestützpunkte der Karthager in Sizilien gewesen zu sein, und 249 v. Chr. nahm ihr Admiral Carthalo dort seinen Posten ein, um nach der römischen Flotte Ausschau zu halten, die sich zur Entsetzung von Lilybaeum näherte. Am Ende des ersten punischen Krieges fiel Heraclea Minoa zusammen mit dem Rest Siziliens unter römische Herrschaft, aber im Zweiten Punischen Krieg fiel es erneut in die Hände der Karthager und war einer der letzten Orte, die sich noch gegen Marcellus zur Wehr setzten, selbst nach dem Fall von Syrakus.

Von den Karthagern wurde der Ort wieder aufgebaut. Er stand seither endgültig unter karthagischer Kontrolle und wurde fast ausschließlich von Puniern bewohnt, die in der Stadt auch ihre charakteristische Architektur einführten. Im Ersten Punischen Krieg wurde Selinunt dann 250 v. Chr. von den karthagischen Truppen geräumt und anschließend von den Römern zerstört. Damit endete die Geschichte Selinunts im Wesentlichen. Es gab aber offenbar eine gewisse Siedlungskontinuität auf sehr niedrigem Niveau, und in der Spätantike bestand ein kleiner christlicher Ort auf der einstigen Akropolis. Ein schweres Erdbeen im 10. oder 11. Jahrhundert  ließ die Tempel und Gebäude einstürzen.

Osthügel

Auf dem Osthügel nahe des Eingangs befinden sich die Tempel E, F und G. Tempel E wurde wieder aufgebaut,

Tempio E

Der Tempel ist Hera gewidmet und wurde in den Jahren 460-450 v. Chr. erbaut. 1959 wurde aus Originalteilen das Gebäude teilweise wieder aufgebaut, was heute jedoch kritisiert wird.

Der rechteckige Grundriss misst ca. 70x26,5 Meter. Im Inneren befindet sich eine Doppelzelle mit Zugang sowie noch zwei große Sockel. An den Außenwänden befinden sich 15 (Längsseite) bzw. 6 (Querseite) dorische Säulen, die über 10 Meter hoch und kanneliert sind. Sie tragen des Gebälk mit dem Fries, welches abwechselnd aus Triglyphen (drei kleine Säulen) und Metopen (der Zwischenraum, oft mit Reliefs versehen) besteht. An den Ecken treffen immer zwei Triglyphen aufeinander. Einige Metophen hat man gefunden, die Szene, wo Akteion von seinen Hunden zerfleischt wird, ist im angrenzenden Museum zu sehen.

Tempio F

Der Tempel F ist Athene oder Dionysos gewidmet, wie zwei 1823 ausgegebrabene Metopen aus Tuffstein beweisen. Die eine stellt Dionysos dar, wie er einen Schlag auf einen knienden Riesen ausführt, und die andere zeigt Athene, wie sie über einen Feind triumphiert: Diese Metopen werden im Regionalen Archäologischen Museum von Palermo aufbewahrt. Der Tempel ist archaisch, die Säulen weisen keine Entasis (Schwellung) auf, außer die an der Ostfassade. Die Säulen waren durch drei Meter hohe Schirmwände verbunden, welche als Sichtschutz dienten und die Kulthandlungen im Inneren verbargen. Im Vorraum befand sich parallel zur Fassade eine Reihe von vier Säulen.

Tempel F ist kleiner und parallel zu Tempel E ausgerichtet. Die Ruinen wurden zu unbekannter Zeit geplündert und als Baumaterial verwendet. Untersuchungen im Inneren des Tempels führen zu einer Datierung um das Jahr 520 v. Chr. Der rechteckige Grundriss hat eine Größe  von ca. 62x24,5 Metern. 14 x 6 dorische Säulen bilden die Begrenzung.

Blick auf Tempio F von Tempio E
Blick auf Tempio F von Tempio E

Tempio G

Der nördlichste der drei Tempel auf dem östlichen Hügel von Selinunt ist der Tempel G, einer der größten Tempel der klassischen Antike und Zeus gewidmet. Heute ist er nur noch ein riesiger Haufen von Architraven, Säulen und Kapitellen, die durch die Wucht des Erdbebens zerstört wurden. Daraus ragt eine einzige mächtige Säule hervor, die 1832 vom Bildhauer Valerio Villareale restauriert wurde und im Volksmund „Fuso della vecchia” (Spindel der Alten) genannt wird. Trotz seines ruinösen Zustands, der die inneren Strukturen eifersüchtig zu verbergen scheint, kennen wir den Grundriss des Gebäudes, dessen Maße ca. 113x54 Meter betragen. Der Tempel hatte 8 Säulen an der Fassade und 17 an den Längsseiten, einschließlich der Eckpfeiler; die 16,27 m hohen Säulen trugen ein Kapitell, dessen Abakus sich über mehr als 16 m² erstreckte, während der gesamte Tempel etwa 30 m hoch war. Der Bau des Tempels G begann um 530 v. Chr. und war auch 409 v. Chr., als die Stadt von den Karthagern zerstört wurde, noch nicht vollständig abgeschlossen: Davon zeugen die Säulen des Tempels, von denen viele noch nicht geriffelt sind, und das Fehlen von Veredelungen, obwohl viele Teile verputzt sind. Wir wissen mit Sicherheit, dass mit dem Bau an der Ostseite begonnen wurde; dank der langen Bauzeit lässt sich die Entwicklung der dorischen Architektur und insbesondere der Kapitelle nachvollziehen: archaisch mit niedrigem und gewölbtem Echinus im Osten, klassischer mit weniger ausgedehntem Echinus im Westen.

Der Innenraum bestand aus einem prostylen Pronaos mit vier Säulen an der Eingangsseite und zwei an den Seiten; darauf folgte die Cella, die durch zwei Reihen von zehn monolithischen Säulen mit dorischen Kapitellen in zwei Ordnungen in drei Schiffe unterteilt war, und das Opisthodomos in antis. An die Wände der Seitenschiffe der Cella lehnten sich zwei Treppen, über die man das Dach und den Dachboden erreichen konnte, um die Holzbalken, die das Dach stützten, regelmäßig zu inspizieren. Am Ende des Mittelschiffs, das offenbar eine hypterale Form (ohne Überdachung) hatte, befand sich das Aditon, das die Form einer Kapelle hatte und in dem sich die Kultstatue befand. Aus diesem Ort stammt die spätarchaische Skulptur, die einen Riesentorso darstellt und heute im Regionalen Archäologischen Museum von Palermo zu sehen ist.

Unter den Ruinen des Tempels wurde 1871 die „Große Tafel von Selinunt” gefunden, ein äußerst wichtiger Text über die Kulte der Stadt, der auf die Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr. datiert werden kann. Dieses Dokument ließ zunächst vermuten, dass der Tempel G Apollo geweiht war, auch aufgrund der Ähnlichkeiten mit dem Apollonion von Milet. Heute wird dieser Tempel, der offenbar die Aufgabe hatte, das Archiv der Stadt zu bewahren, aufgrund einer neuen kritischen Interpretation der Inschrift, die von einer Hinterlegung von sechzig Talenten Gold im Apollontempel berichtet, Zeus zugeschrieben. Dies war ein in vielen großgriechischen Städten und im großen Syrakus verbreiteter Brauch, wo das ebenfalls außerhalb der Stadtmauern gelegene Olympieion, das ebenfalls von beachtlicher Größe war, als Stadtarchiv genutzt wurde.

Trümmer von Tempio G
Trümmer von Tempio G

Baglio Florio

In dem Gebäude befindet sich das Museum, welches sehr sehenswert ist. Ein Teil der ausgegrabenen und gefundenen Stücke ist hier ausgestellt.

Fortificationi Nord (Kopie)

Vom Parkplatz kann man einen Abstecher an die Felsküste machen. Am Kap gibt es eine kleine Sitzmöglichkeit und man hat einen wunderbaren Blick über die Küste und auf den weißen Felsen.