Akragas
Südlich von Agrigent liegt die antike Stadt Akragas, auch als Valle dei Templi bekannt. Ich empfehle den Eingang Ingresso Giunine zu benutzen. Parken ist dort möglich und kostet maximal 8 € den Tag und ist nach der Parkdauer gestaffelt.
| 1. Stunde | 2. Stunde | jede weitere Stunde |
| 2,00 € | 1,30 € | 0,80 € |
Der Eintritt beträgt 17 € p.P., wenn man nur die Tempel besichtigen möchte. Zusätzlich kann der botanische Garten dazu gebucht werden. Der Besuch der Gemäldeausstellung in der Villa Aurea ist im Eintrittspreis enthalten.
| täglich | 8:30 bis 20:00 Uhr |
Geschichte
Akragas wurde ungefähr 582 v. Chr. gemeinsam von Siedlern aus Gela und Rhodos gegründet. Schon bald nach der Gründung der Stadt konnte Phalaris die Macht an sich reißen. Durch Unterschlagung von Geld, das für einen Tempelbau bestimmt war, warb er Söldner an und machte sich in einem Staatsstreich zum Alleinherrscher der Stadt. Er regierte etwa 570–555 v. Chr. und war für seine Grausamkeit berüchtigt. Er dehnte seinen Machtbereich bis weit in das Landesinnere aus. Zu seiner Zeit wurde wohl bereits die massive Stadtmauer von Akragas errichtet. Sie folgt im Wesentlichen den Außenkanten des Plateaus, umschließt aber auch den Girgenti-Hügel. Sie hat eine Länge von 12 km und schließt eine Fläche von 4,5 km² ein. Neun Tore, die eine natürliche Bodensenke oder ein kleines Tal nutzten, führten in die Stadt. Teilweise waren diese Tore von Türmen flankiert.
Unter Therons Herrschaft, der 488 v. Chr. Tyrann von Akragas wurde, dehnte sich der Machtbereich weiter aus und machte Akragas zur zweitwichtigsten Stadt Siziliens nach Syrakus. Das Gebiet umfasste große Teile Westsiziliens. Im Jahre 483 vertrieb er den Herrscher Terillos aus Himera und übernahm dort die Macht. Terillos bat die Karthager um Hilfe, die jedoch in der Schlacht bei Himera von Theron und seinem Schwiegersohn Gelon, dem Tyrannen von Syrakus, vernichtend geschlagen wurden.
Durch die in der Schlacht bei Himera gewonnene Kriegsbeute, die als Sklaven arbeitenden Kriegsgefangenen und die Reparationen, die Karthago zu zahlen hatte, stieg der Reichtum von Akragas beträchtlich an. Dieser zeigt sich auch an den in Angriff genommenen Bauprojekten. Theron begann an der Südmauer westlich der Porta Aurea den riesenhaften Tempel des olympischen Zeus zu errichten. Nach dem Tod Therons und der Vertreibung seines Sohnes Thrasydaios wurde Akragas zu einer Demokratie. Die kulturelle Hochblüte dauerte das ganze 5. Jahrhundert hindurch an. Der Reichtum der Stadt in dieser Zeit beruhte besonders auf dem Handel. In der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts wurde die Mehrzahl der Tempel an der Südmauer errichtet, die einem vom Meer aus ankommenden Besucher einen imposanten ersten Eindruck von dem Reichtum der Stadt vermittelten.
Als die Karthager, von Segesta zu Hilfe gerufen, 409 v. Chr. eine Großoffensive gegen die griechischen Städte Siziliens begannen, wurde auch Akragas 406 v. Chr. erobert und zerstört. Nachdem die Karthager 406 v. Chr. mit Dionysios I. von Syrakus Frieden geschlossen hatten, durften die Bewohner von Akragas wieder in ihre Stadt zurückkehren. Sie durften die Stadt aber nicht wieder befestigen und waren zu Tributzahlungen an Karthago verpflichtet. In der Folgezeit sank Akragas zu einem unbedeutenden Dorf herab. Obwohl die Stadt später wieder aufgebaut wurde, konnte sie trotz aller Anstrengungen nie wieder ihre einstige Größe erreichen.
Nachdem Timoleon die Karthager 340 v. Chr. in der Schlacht am Krimisos besiegt und nach Westsizilien zurückgedrängt hatte, brachte er neue Siedler nach Akragas, um es wieder zu einer funktionierenden Stadt zu machen. Die neuen Häuser wurden auf den Grundmauern der zerstörten alten Bauten errichtet. Dabei wurde das bereits bestehende Hippodamische Schema der rechtwinklig zueinander verlaufenden Haupt- und Nebenstraßen übernommen. Im 3. Jahrhundert v. Chr. brachte der Tyrann Phintias (289–279 v. Chr.) auch Gela, die Mutterstadt von Akragas, unter seine Herrschaft. Er ließ Gela zerstören und siedelte seine Bewohner an der Stelle des heutigen Licata neu an. Im ersten punischen Krieg wurde Akragas 261 v. Chr. von den Römern erobert und zerstört, und seine Einwohner wurden in die Sklaverei verkauft. 255 v. Chr. wurde Akragas von den Karthagern zurückerobert, was weitere Zerstörungen mit sich brachte. Endgültig unter römische Herrschaft kam Akragas 210 v. Chr. und wurde zu einer tributpflichtigen halbautonomen Verwaltungseinheit.
Die Römer benannten die Stadt in Agrigentum um und bevölkerten sie mit neuen Siedlern. Die Wohngebäude und die öffentlichen Bauten breiteten sich in der Senke über den Resten der griechischen Stadt aus. Die Römer errichteten keine eigenen großen Tempel, sondern bauten einige der zerstörten Tempel wieder auf und widmeten sie römischen Göttern. Im Zuge der Verwaltungsreform des Augustus erhielt Agrigent den Status eines Municipiums. In der Kaiserzeit entwickelte sich Agrigentum wieder zu einer wohlhabenden und bedeutenden Stadt. Beim Einfall der Vandalen ab 439 kam es wieder zu Zerstörungen. Nach und nach entvölkerte sich die Stadt immer mehr und wurde erneut zu einem unbedeutenden Dorf. Vor der Bedrohung durch die Araber, die zu Beginn des 8. Jahrhunderts Raubzüge nach Sizilien unternahmen, zogen sich die Bewohner aus dem antiken Stadtgebiet auf den Girgenti-Hügel zurück.
Unmittelbar außerhalb des Nordtors ermöglichte ein langer überdachter Tunnel, der parallel zur Nordmauer der Akropolis-Bastion verlief und durch Bogentore mit dem zwischen den beiden Hügeln ausgehobenen Graben verbunden war, den Truppen im Falle einer Belagerung schnelle Ausfälle, noch bevor sich der Feind näherte. Diese Festung in Selinunt wurde dank der weit verbreiteten Weiterentwicklung der griechischen Poliorzetik realisiert, die auf der Taktik der schnellen Ausfälle, der Erfindung des Katapults und der Fernwaffe basierte. Zu diesem Zweck diente das hohe dreistöckige Gebäude (die Galerie), das den Tunnel vervollständigte, in dem die Bogenschützen Platz nahmen. Zum Schutz des Tunnels gab es eine Reihe von Kasematten, die Bastionen, die beiden großen Vorposten-Türme mit halbkreisförmigem Kopf, die östlich und westlich der Galerie errichtet wurden, der sogenannte Geheimgang westlich der Befestigungsanlagen, der Vorposten-Graben am nördlichen Turm, der Graben, der für Ausfälle genutzt wurde, und der Proteichisma (überdachter Galerie) entlang der Ostmauer, das eigentliche Pendant zur überdachten Galerie im Westen.
Im Mittelalter und in der Neuzeit wurden die antiken Bauwerke wenig beachtet. Sie verfielen und wurden oft auch einfach als Steinbruch benutzt. Nur der Concordiatempel wurde durch seinen Umbau in eine Kirche bis ins 17. Jahrhundert weiter verwendet und blieb so nahezu unversehrt erhalten. Erst als im 18. Jahrhundert durch den Klassizismus wieder ein allgemeines Interesse an der griechischen Antike erwachte, fanden auch die antiken Stätten des alten Akragas wieder mehr Beachtung. Zu dieser Zeit wurde der Concordiatempel wieder in seinen ursprünglichen Zustand als Tempel zurückversetzt, und Säulen und Architrav an der Nordseite des Heratempels wurden wieder aufgerichtet.